18.3.06

Verwirrung durch Textmarker

Bücher aus der Lehrbuchsammlung der Universität sind oft "nicht verlängerbar", kosten bei verspäteter Rückgabe Strafgebühr und sind oft schlecht gebunden und abgeschabt. Das grösste Problem bei den später schnell vergessenen Werken ist aber, dass die Vorbenutzer darin gern Markierungen anbringen. Und das ist richtig gefährlich. Denn Wissenschaftler konnten 1997 experimentell nachweisen, dass falsch gesetzte Textmarkierungen in die Irre und zu schlechten Noten führen. Sie teilten 114 Versuchsstudierende in drei Gruppen: Der erste Trupp erhielt korrekt markierten Lesestoff, der zweite falsch markierten und der dritte jungfräulichen Text. Nach zwanzigminütigem Lesen von sieben Textblöcken mussten die Probanden jeweils einen Multiple-Choice-Test pro Block ausfüllen, der das Leseverständnis prüfte.
Waren die Hervorhebungen an sinnlosen Stellen angebracht, schnitten die Leser mit 24 Verständnispunkten deutlich schlechter ab als die Leser des jungfräulichen Textes (33). Nicht einmal eine vorherige Warnung half. Auch die in einem weiteren Experiment ausdrücklich vorgewarnten Kandidaten erzielten nur 25 Punkte. Dringende Empfehlung der Wissenschaftler: "Schüler über die möglichen Gefahren bestehender Textmarkierungen aufklären, und Bücher mit Markierungen nicht mehr einsetzen."
Nun der erstaunliche Nebenbefund: Auch die Vorabhervorhebung der richtigen Textstellen brachte keine signifikante Verbesserung des Verstandenen (34). Merke: Unterstreichen ist nutzlos, sogar an den richtigen Stellen.

Quelle: Vicky Silvers et al. (1997): The effects of pre-existing inappropriate highlighting on reading comprehension. In: Reading Research and Instruction, Nr. 36, S. 217-223